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Insight · B2B · 6 Min. Lesezeit

LinkedIn erreicht mehr Menschen in der Schweiz als Instagram. Die meisten B2B-Firmen ignorieren es trotzdem.

August 2026, von Toby Ubajaka

Wenn Sie in der Schweiz an andere Unternehmen verkaufen und seit zwei Jahren versuchen, Instagram zum Laufen zu bringen, sprechen die Zahlen gegen Sie. Es gibt ein grösseres, stilleres und besser qualifiziertes Publikum auf einer Plattform, die die meisten Schweizer Firmen für Stelleninserate benutzen.

Die Zahl

Im Juli 2026 gibt es in der Schweiz 5,76 Millionen LinkedIn-Nutzerinnen und -Nutzer. Instagram hat 4,12 Millionen, Facebook 5,37 Millionen. LinkedIn ist hier nicht einfach konkurrenzfähig. Es ist die grösste Plattform des Landes und liegt über 1,6 Millionen Menschen vor Instagram.

Das sind 63,5 Prozent der gesamten Schweizer Bevölkerung, Säuglinge und Pensionierte mitgezählt. Unter den Erwerbstätigen liegt der Anteil deutlich höher.

Warum die Schweiz eine Ausnahme ist

In den meisten Ländern Europas liegt LinkedIn auf Platz drei oder vier. Die Schweiz ist eine echte Ausnahme, und der Grund ist strukturell, nicht kulturell. Das Land hat eine aussergewöhnlich hohe Dichte an Hauptsitzen, Finanz-, Pharma- und Industrieunternehmen, eine grosse internationale Belegschaft und eine Berufsgruppe, die oft genug die Stelle wechselt, um das Profil aktuell zu halten. Dazu kommt, dass LinkedIn im deutschsprachigen Raum an Xing vorbeigezogen ist.

Der Teil, der die meisten überrascht

Die Annahme lautet, LinkedIn sei etwas für Ältere. In der Schweiz stimmt das nicht. Die grösste Altersgruppe ist 25 bis 34 mit 36,5 Prozent. Weitere 22,6 Prozent sind 18 bis 24. Damit sind knapp sechs von zehn Schweizer LinkedIn-Nutzern unter 35.

Wer sein Budget für ein jüngeres Publikum auf Instagram legt und LinkedIn mit einem Logo und drei Stelleninseraten bespielt, hat es genau falsch herum.

Ein Vorbehalt, den Sie kennen sollten

Diese Zahlen stammen aus den Werbetools der Plattformen selbst. Sie zeigen das erreichbare Publikum, nicht die täglich aktiven Nutzer. Ein Konto, das jemand 2019 eröffnet hat und zweimal im Jahr öffnet, zählt mit. Der Vorbehalt gilt für alle verglichenen Plattformen, die Rangfolge bleibt also bestehen. Behandeln Sie die absoluten Zahlen aber als Reichweitenpotenzial und nicht als Publikum, das auf Sie wartet.

Wir sagen Ihnen das lieber. Die meisten Artikel, die diese Zahlen zitieren, lassen den Vorbehalt weg.

Was wir konkret tun würden

Fangen Sie bei Menschen an, nicht bei der Unternehmensseite. Firmenseiten erzielen in der Schweiz sehr wenig organische Reichweite. Beiträge einer namentlich genannten Person schlagen sie zuverlässig. Wenn die Geschäftsleitung nicht posten will, suchen Sie die eine Person im Betrieb, die es tut, und bauen Sie es um sie herum auf.

Schreiben Sie darüber, wo Ihre Kunden feststecken, nicht über Ihr Angebot. Das Format, das funktioniert, ist ein konkretes Problem, was Sie versucht haben und was tatsächlich passiert ist. Kein Fazit-Absatz, kein Aufruf unter jedem Beitrag.

Posten Sie in der Sprache der Menschen, die Sie erreichen wollen. Für ein Publikum in Zürich oder Basel mit internationalen Ansprechpartnern funktioniert Deutsch und Englisch nebeneinander gut. Für einen rein inländischen Industriekunden wirkt Deutsch allein glaubwürdiger.

Nutzen Sie Paid für die Zielgenauigkeit, nicht für die Menge. LinkedIn-Werbung ist teuer pro Klick und ungewöhnlich präzise nach Funktion, Firmengrösse und Branche. Ein kleines Budget auf zweihundert richtige Menschen schlägt ein grosses auf alle.

Die ehrliche Fassung

LinkedIn repariert kein Unternehmen, das nichts Interessantes zu sagen hat. Wenn Ihr Team etwas weiss, das die Konkurrenz nicht weiss, ist dies die eine Schweizer Plattform, auf der es die Menschen erreicht, die bei Ihnen kaufen können. Wenn nicht, hilft auch kein Posten, und Instagram hätte ebenso wenig geholfen.

Zahlen: NapoleonCat, Social Media Users in Switzerland, Juli 2026. Bevölkerungsanteil berechnet auf die Gesamtbevölkerung.

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